Mit dem Rücken zur Wand

Der Gang zum Board um seine Darts herauszuziehen. Wieder das Doppel verfehlt. Enttäuscht zurück hinter das Oche und dem Gegner über die Schulter blicken. Bangen, vielleicht gibt es ja noch eine Chance. Vielleicht eine letzte Möglichkeit. Der Rückstand ist zwar groß, aber im Dartsport haben wir schon viele Aufholjagden gesehen. Da fliegt der Dart und – drin. Verloren. Schon wieder. Enttäuscht dem Gegner die Hand geben, die Pfeile einpacken und frustriert nach Hause. Den Blick auf die Tabelle vermeiden.

Die vereinsinterne Dartfighters-Liga bringt viele Geschichten hervor. Da sind die Momente, in denen deutliche Rückstände umgebogen werden. Überraschende Siege von Underdogs. Großartige Highlights von Favoriten. Doch es gibt auch die Geschichten am Tabellenende. Dort stehen aktuell Marcel Berens und Alexander „Acki“ Plewka. Beide haben alle ihre bisherigen fünf Spiele verloren. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Diesen Donnerstag kommt es in der vorgezogenen Partie des sechsten Spieltages zum direkten Duell. Für beide ein Spiel von enormer Bedeutung. Wir haben die Akteure im Vorfeld zu einem Interview getroffen.

Hallo Marcel, hallo Acki. Fangen wir direkt an. Wie fällt Euer bisheriges Saisonfazit aus?

Marcel: „Ich bin irgendwann in so eine Abwärtsspirale hineingeraten. Und dann ist es wie im Fußball, man kommt aus der Scheiße einfach nicht mehr raus. Nach dem Spiel gegen Tobias, da bin ich komplett eingebrochen. Da hab ich auch erst mal die Welt nicht mehr verstanden, warum ich so viele Darts auf die Doppel verworfen hab und das hat sich dann bis jetzt so durchgezogen. Ich weiß nicht woran es lag, ich versuch es jetzt einfach im Kopf auszublenden und einfach weiter mein Spiel zu bringen. Irgendwann wird es wiederkommen, da bin ich fest von überzeugt.“

Acki: „Ob ich mir das anders vorgestellt habe? Jein, kann ich da ganz klar sagen. Ich wusste, dass ich im unteren Tabellendrittel sein würde mit zwei, drei anderen. Aber dass es so klar ist, das hätte ich selber nicht erwartet. Es ist vor allem die Nervosität, die sich hoffentlich in den nächsten Spielen weiter legen wird. Die hatte großen Anteil an meinen Leistungen der ersten Spieltage. Aber die Performance am vergangenen Spieltag hat mir sehr viel Mut gemacht, es hat mir sehr geholfen einfach mal mein eigenes Ding durchzuziehen.“

Nun musstet Ihr ja schon gegen die Top-3 in der Ligatabelle ran, war der Spielplan vielleicht auch einfach nur sehr brutal?

Marcel: „Das als Ausrede zu benutzen wäre jetzt auch ein bisschen zu einfach. Klar, ich habe mir von vornherein auch vorgenommen oben mitzuspielen. Gut, ich muss die Niederlagen nun so hinnehmen. Die Gegner waren in den Matches auch besser. Dementsprechend heißt mein Ziel jetzt nur noch irgendwie erst mal Drittletzter zu werden.

Acki: „Die Gegner an den ersten Spieltagen waren sehr stark, haben super gescored. Wenn du da gar keine Chancen auf Doppel  bekommst, kannst du auch nichts machen. Aber da kann man ja auch das positive draus ziehen. Jetzt kommen die Spiele, wo ich vielleicht etwas holen kann.“

Wie wichtig ist dieses direkte Duell?

Marcel: „Ja, also wenn ich das Ding gewinne, dann ist wieder dieses Selbstbewusstsein da. Und dann sind die ganzen anderen Spiele auch erst mal egal und wie es vorher gelaufen ist. Das könnte ein Knotenlöser werden, aber wenn es schief geht, kann es genauso nach hinten losgehen. Auf jeden Fall ein sehr wichtiges Spiel.“

Acki: „Für mich, ich weiß das hört sich jetzt komisch an, gar nicht mal so sehr. Es ist für mich einfach nicht kriegsentscheidend, weil ich weiß, Letzter oder Vorletzter, gut, da geht’s eigentlich nur noch um Prestige. Also nicht Letzter zu sein. Aber ich habe Marcel halt so ein bisschen kennengelernt inzwischen und er hat gezeigt, dass er in wichtigen Momenten zur Stelle ist, wie zum Beispiel im Test gegen die Greifendarter. Ich bin sehr gespannt, wie es sich entwickelt. Ich denke es ist einiges möglich und machbar, für beide Seiten.“

Was für ein Spiel ist zu erwarten?

Marcel: „Acki ist unberechenbar. Er kann mal die Triple-20 und Triple-18 treffen, dann kommt plötzlich mal eine Triple-13, Doppel-18. Es kann ein enges Spiel werden, aber auch ein klares Spiel. Ich kann aber nicht sagen für welche Seite.“

Acki: „Es wird ein spannendes, sehr anstrengendes Spiel. Ich denke, das könnte auch über die volle Distanz gehen. Und ich glaube es wird einige Legs mit Double-Trouble geben, da wird sich zeigen, wer die besseren Nerven hat. Ich freu mich auf das Spiel und ich glaube es könnte vor allem das interessanteste Duell des nächsten Spieltages werden. Auch wenn die Tabelle es nicht vermuten lässt.“

In den Trainingsduellen setzte sich Acki zuletzt häufiger mal durch. Kann das Auswirkungen auf das Spiel haben, im mentalen Bereich?

Marcel: „Nee, auf keinen Fall. Ich habe die letzten Wochen auch viel ausprobiert, auch andere Darts. Aber ich bin zum Entschluss gekommen mit meinen älteren weiterzuspielen. Und wenn ich da kontinuierlich weitermache, dann gehe ich von einem Sieg für mich aus, egal in welcher Höhe. Sollte Acki dann aber gewinnen, dann ist es halt so.“

Acki: „Ja, definitiv. Also in den letzten drei Spielen, die wir gegeneinander hatten, hatte ich eigentlich jedes Mal die Nase vorne. Mal knapp, mal wirklich auch deutlich. Und ich denke, das hängt auch in seinem Kopf drin, aber er kann natürlich auch eine ‚Jetzt erst recht‘-Mentalität daraus entwickeln. Also das Ding ist noch nicht gegessen, gewonnen ist es erst, wenn es gewonnen ist.“

Wer hat mehr Druck?

Marcel: „Ich glaube, ich. Weil ich viel mehr von mir erwarte.“

Acki: „Ich glaube Marcel. Marcel hat bereits seine Ligaerfahrungen gesammelt und er will sicherlich beweisen, dass seine bisherigen Ergebnisse nicht seinem Können entsprechen. Ich werde auf jeden Fall Kontra geben, so gut ich es kann.“

Welche Stärken hat dein Gegner?

Marcel: „Ackis Stärken sind zum einen seine Unberechenbarkeit, man weiß einfach nicht was kommt. Und wenn er sich die Doppel stellt, ist mittlerweile eine weitere Stärke das Auschecken geworden. Das kann schon ganz schön eklig werden. Aber ich bin bereit.“

Acki: „Seine Mentalität. Wenn Marcel in seinen Rhythmus kommt, kann er kontinuierlich gut scoren. Und dann wird es für mich ganz schwierig.“

Ihr beide lasst am Board gerne auch mal eure Gefühle raus. Wie viele Emotionen können wir in dem Spiel erwarten?

Marcel: „Das wird sehr emotional. Ich hab es im letzten Spiel schon wieder gemerkt, als ich das erste Leg ausgecheckt habe. Da musste die Wut auf die Doppel direkt wieder raus und wenn sich das dann erst mal hochschaukelt und das eng wird, dann wird’s emotional. Und das ist auch das Schöne an diesem Sport, dass die Emotionen einfach mal rausgelassen werden.“

Acki: „Ich kann da nur für mich sprechen. Ich werde versuchen während des Spiels so ruhig wie möglich zu bleiben und das alles nicht so an mich ran zu lassen.“

Schaffst du das, Acki?

Acki(lacht): „Nein.“

Marcel hat bereits früher schon im Verein gespielt, kennt Ligaspiele. Kann das am Ende ein entscheidender Vorteil für Marcel sein?

Marcel: „Es ist ein längerer Modus als in Vereinsligaspielen. Aber die Erfahrung kann auf jeden Fall von Vorteil sein. Man weiß einfach schon wie man in gewissen Drucksituationen zu reagieren hat, auch, wenn es mal nicht läuft. Das habe ich jetzt auch gerade in den letzten Wochen nochmal erfahren, wie ich damit am besten umzugehen hab.“

Acki: „Ja, kann schon, aber natürlich kann das auch zum Nachteil werden, wenn er sich dadurch vielleicht selbst zu viel Druck macht, abliefern zu müssen. Und das Publikum ist ja meistens auch für den Underdog und ich denke mal die Position nehme ich dadurch ein.“

Wie lautet Eure letzte Kampfansage vor dem Duell?

Marcel: „Acki, tut mir Leid. Aber der Sieg geht an mich.“

Acki: „Marcel, ich weiß du hast viel Erfahrung, aber auch ich spiele schon seit fünf Jahren Darts. Ich werde dir Paroli bieten.“

Vielen Dank Marcel und Acki, dass Ihr euch die Zeit genommen habt. Wir anderen warten gespannt auf das Spiel und hoffen, dass sich der bessere am Ende durchsetzt. Good Darts!

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